Wenn man einfach mal länger braucht. Ja, dann sollte man sich diese Zeit auch einfach mal nehmen. Lebe diese Zeit bewusst, mit all dem Schmerz, all der Leere, all dem Bedauern, all den Zweifeln und all der Trauer. Was bleibt einem übrig? All das zu leugnen? Auf lange Sicht ist das einfach keine Option. Man leugnet sich einfach nur selbst. Man sollte sich nicht leugnen. Man ist doch alles was man hat. Alles was einem bleibt, wenn alles vergeht. Du bist die einzige Konstante in deinem Leben. Alle und alles andere ist ein Bonus in deinem Leben. Manchmal ist der Bonus ein Zugewinn positiver Gefühle und manchmal ein tiefes schwarzes, verschlingendes Loch. Aber so ist das Leben. Reite diese Welle, bis du in den seichten Gewässern der Endlichkeit angekommen bist.
Diese momentane Phase meines Lebens ist aber auch eine seltsame Phase. Ich schwimme irgendwie im Alltag daher und weiß gar nicht so recht was ich mir wünschen soll. Für mich. Wenn man jung ist, dann wünscht man sich den Partner fürs Leben. Also den Partner mit dem man Nachwuchs und Heim teilen mag. Doch ich habe das alles hinter mir. Alles hat irgendwie nicht funktioniert. Natürlich frage ich mich warum es denn nicht funktioniert hat. Lag es an mir? Lag es an meiner verkorksten, geschundenen Seele? Konnte die Seele in mir nicht Frieden finden, weil sie nicht friedvoll aufgewachsen war? Bin ich vielleicht generell ein Rebell? Lebe ich die schlechten Charakterzüge meiner Mutter?
Manchmal denke ich, dass ich es mir wahrscheinlich immer nur einfach gemacht habe. Immer dann, wenn es ernsthaft wurde und ich an echter Entwicklung beteiligt war, habe ich den Schwanz eingezogen und bin quasi davon gerannt. Ja aber warum? Wovor hatte ich denn Angst? Bisher kann ich diese Frage nicht beantworten. All die Partner die mich bisher für eine etwas längere Zeit begleiten durften und wollten, bedeuten mir immer noch viel und ich schätze sie sehr. Ich bin ihnen dankbar für das was sie mir in der Zeit, als wir zusammen durch das Leben gingen, an Erfahrung und Liebe gegeben haben. Sie sind und waren tolle Männer. Tolle Menschen. Und sie zaubern mir immer noch ein Lächeln ins Gesicht.
Bestimmt habe ich auch manche Liebschaften vergessen. Einfach weil sie von kurzer Dauer und eventuell auch aus einem unbedachtem Moment heraus geboren waren. Aber es können nicht viele gewesen sein. Na ja, jetzt jedenfalls sitze ich hier allein in meiner Wohnung und frage mich, ob ich einen Partner haben möchte oder diesen ganzen Quatsch einfach lassen sollte. Bisher, also bis zur (hoffentlichen) Hälfte meines Lebens, hat mir dieses Gesuche und Probieren nichts gebracht......ok, das war vorschnell. Ich habe zwei unglaubliche Töchter. Ich. Ich die ich immer wollte und hoffte und mich letztendloch immer klein und wertlos fühlte. Ich, die immer dachte, dass ich nichts Gutes erschaffen kann. Hätte ich nicht versucht und probiert, dann hätte ich die beiden nicht. Also kann diese Suche auch nicht so schlecht gewesen sein, wenn sie mir so viel Freude und Liebe geschenkt hat. Liebe die bis jetzt und immer andauern wird.
Ich entschuldige immer sehr viele Dinge mit der Tatsache des zunehmenden Alters. Denn ja, es ist vieles schlimmer mit der Zeit geworden und ich erkenne mein Wesen erst jetzt. Nach und nach. Und auch nach und nach lasse ich dieses Wesen zu und räume ihm zunehmend Alltagsgewalt ein. Ich bin ein hoch emotionaler Mensch, der sich immer versteckt hat. Früher sich verstecken musste, weil es die Umstände so verlangten und nun immer mehr an die Oberfläche kommt. Ich habe viel falsch gemacht. Ich weiß das. Heute weiß ich aber auch, dass ich vieles falsch beigebracht bekommen habe. Aktiv und vor allem passiv. Ich kannte und wusste es nicht besser. Das Leben hat mich gelehrt, dass es auch anders sein kann, Und ich frage mich, was alles noch hätte anders sein können.
Ich denke, irgendwann möchte man einfach nicht mehr Platz für einen Menschen, einen Partner, in seinem Leben machen. Das Leben was man hat ist ausgefüllt und jeder weitere Faktor bringt einfach nur zu viel Unruhe hinein. Ich mag nicht mehr zur Seite rücken. Es gibt einfach niemanden der es Wert ist, dass ich für ihn meine Blase erweitere. Doch insgeheim wünsche ich es mir. Einen Menschen (abgesehen von meinen Töchtern), der meine Blase zum Leuchten bringt und mit dem es sich das Leben wieder leicht anfühlt. Ich weiß, dass man die Liebe in jedem Alter finden kann, aber oft findet man nur einen Kompromiss. Für Kompromisse bin ich mir aber zu schade. Dafür liebe ich mein Leben mit mir selbst einfach zu sehr.
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| Isa mit 15 Jahren. Als sie von all das was vor liegen wird noch nichts wusste. |

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